Achim Maaz

Die außergewöhnliche Geschichte eines Malers mit geistiger Behinderung, der ein Leben lang gegen alle Widerstände malte und erst kurz vor seinem plötzlichen Tod entdeckt wurde.

Komplexe, großflächige Kugelschreiber-Schraffuren, Bleistift-Zeichnungen, teilweise überdeckt von virtuoser Ölpastellmalerei – das Werk Achim Maaz‘ sucht in der Kunstwelt seinesgleichen. In den großformatigen Werken bildet der Rand des Zeichenpapiers eine markante Grenze. Die Figuren mit ihren gedrückten, halslosen Köpfen wirken oft wie in den Bildraum hineingepresst, wie eingeschlossen in die eigene Körperlichkeit. Erfahrungen von Eingegrenztheit und der Drang auszubrechen dominieren auf subtile und intensive Art die Stimmung der originären und intimen Bilder von Achim Maaz.

„Einige Motive wie Schlüsselbunde oder Menschen in beklemmend engen Räumen zeugen von seinem Wunsch auszubrechen – aus einem Alltag, der gezeichnet war von Fremdbestimmung und Eingesperrtsein“, erklärt Julia Krings, Co-Kuratorin und Dozentin für Kunstgeschichte an der Uni Bonn. „Mit seinen Bildern kommunizierte er, was er nicht sagen konnte.“

1955 in Bonn geboren, verbrachte Maaz einen Großteil seines Lebens in Institutionen. Weil er als fluchtgefährdet eingestuft wurde, galten für ihn besondere Sicherheitsvorgaben, die in besonderem Maße in seine Bewegungsfreiheit eingriffen. Als Künstler wurde er lange Zeit nicht anerkannt. Um überhaupt malen zu können, nahm Maaz Kugelschreiber und Kalenderblätter an sich, wann immer sich die Gelegenheit bot: in der Behindertenwerkstatt oder in seiner Wohneinheit.

Am 24. Juli ist Achim Maaz überraschend im Alter von 59 Jahren verstorben. Nun kann der Erlös ihm persönlich nicht mehr zugutekommen. „Umso mehr sollen seine Bilder von ihm und seiner Sicht auf die Welt erzählen“, sagt Robert Kötter. Maaz‘ Arbeiten eröffnen bizarre Blickwinkel, schwarze Stunden und entbehren  dennoch nicht einer eigensinnigen Zartheit.